Bibelvers der Woche 40/2020

…auf dass die Gerechtigkeit, vom Gesetz erfordert, in uns erfüllt würde, die wir nun nicht nach dem Fleische wandeln, sondern nach dem Geist.
Röm 8,4

Hier ist ein Link für den Kontext des Verses, zur Lutherbibel 2017.

Treffpunkt Tod

Harter Stoff. Aber bleiben Sie bei mir, vielleicht lohnt es sich! Der Vers ist ein Fragment — hier ist der vollständige Satz im Wortlaut der Übersetzung von 2017:

Denn was dem Gesetz unmöglich war, weil es durch das Fleisch geschwächt war, das tat Gott: Er sandte seinen Sohn in der Gestalt des sündigen Fleisches und um der Sünde willen und verdammte die Sünde im Fleisch, damit die Gerechtigkeit, die das Gesetz fordert, in uns erfüllt werde, die wir nun nicht nach dem Fleisch wandeln, sondern nach dem Geist

Der Vers und sein Kontext gehören zum Kern christlichen Glaubens. Ich will, was da steht, zunächst mit meinen Worten wiedergeben. Das Angebot Gottes, die Menschen mit seinem Gesetz zu sich zu führen, läuft auf unserer Seite ins Leere. Ein Leben nach der Thora ist mit der Natur des Menschen unvereinbar — es gelingt ihm auch dann nicht, wenn der Geist willig ist. Der Mensch braucht eine neue Natur — er muß sein „fleischliches“  Wesen, wie Paulus es nennt, gegen ein „geistiges“ Wesen tauschen, gegen ein Leben aus dem Geist Gottes. Die frohe Botschaft ist, dass Gott seinen Geist denen schickt, die er liebt. Dafür sandte er seinen Sohn — in der Gestalt des Fleischs, selbst aber Träger des Geistes.

Für diejenigen, die aus dem Geist leben, wird das Gesetz irrelevant, als Weg zu Gott ist es nicht nötig. Dennoch muß es — Gesetz Gottes — erfüllt sein. Die Lücke füllt der Tod Jesu am Kreuz. Mit diesem Tod werden Fleisch und Sünde verurteilt und hingerichtet. Wir können unser Leben vom Geist leiten lassen. Der Weg ist frei. Pfingsten! Ein Bild, so groß, dass einem der Kopf zerreissen will. 

Der Vers selbst lässt offen, wie das Gesetz durch den Tod Jesu ultimativ erfüllt wird. Der Wortlaut bezeichnet eine Art stellvertretende Sühne. Paulus unterscheidet den fleischlichen vom geistigen Aspekt der menschlichen Wirklichkeit. Jesus — ganz Geist — wird Fleisch und empfängt in dieser Gestalt das Urteil für alles Fleisch, obwohl er selbst frei von Sünde ist. Andernorts, bei Paulus selbst und bei Johannes, wird der Tod Jesu spezifisch als Opfer interpretiert. Der Tod Jesu Christi, des Gottessohns, war das ultimative Opfer: ein Opfer dargebracht von einem Menschen und zugleich von Gott selbst. 

Das ist ganz harter Stoff. Für die Menschen damals: Johannes 6,48ff berichtet von der gewalttätigen Reaktion der Zuhörer, als Jesus das Opfer in der Synagoge von Kapernaum ankündigte. Beinahe wäre er an Ort und Stelle gestorben. Und auch für die Menschen heute: Wie etwa vermittelt man den Opfertod im Kindergottesdienst? In ihrer Kritik an der „Opfertheologie“ ziehen progressiv denkende evangelische Theologen das ganze Bild in Zweifel — Gott in seiner Größe und unerschöpflichen Liebe könne ein Menschenopfer gar nicht „wollen“, und in seiner Allmacht die Entsühnung auch ohne Opfer bewirken. Heilsnotwendig könne dies Opfer nicht gewesen sein. 

Ich bin nicht Theologe und die Auseinandersetzung mit dem Diskurs fällt mir wirklich schwer. Ich erkenne aber, dass dies das Narrativ ist, das Christen zu allen Zeiten angenommen haben. In der Wirklichkeit der Menschen so vieler Generationen hatte der Tod Jesu diese ungeheure Bedeutung. Auch für Jesus selbst, nach dem Zeugnis der Evangelien. Das Narrativ ist geglaubte Wahrheit — wie will man es nun verschieben? Man mag sich dann fragen, wie alles so falsch laufen konnte, wenn der Tod Jesu keine Erlösungstat war — was würde uns das über Gott sagen? Wie kämen wir denn damit zurecht, dass der Tod Jesu sinnlos gewesen wäre? Warum musste der Messias gehen, kaum dass er gekommen war? 

Vielleicht sollten wir an die eigentliche Bedeutung des Opfers im Judentum denken. Es geht dabei nur in sehr speziellen Fällen um Schuld und Sühne. Im Vordergrund steht immer Kommunikation und Gemeinschaft mit Gott. Siehe die Betrachtung zum Bibelvers der Woche 43/2018. Ganz so, wie auch das Gesetz seinem Wesen nach zu Gemeinschaft mit Gott führen soll. Gesetz und Opfer liegen tatsächlich nahe beieinander. 

Jesus stellt für uns die Gemeinschaft mit Gott her. So verstehe ich Paulus und Johannes. Für uns und mit uns findet er das Licht dort, wo es nicht dunkler mehr werden kann, im abgründigen Nichts. Treffpunkt Tod. Gott hat dieses Opfer nicht verhindert, wie er die Opferung Isaaks durch Abraham verhindert hat. Statt dessen hebt er die Folgen auf, in einer Weise, die den Naturgesetzen spottet. 

Morgen ist Jom Kippur. Mögen wir alle im Buch des Lebens eingeschrieben sein!
Ulf von Kalckreuth

Bibelvers der Woche 10/2020

Und abermals spricht er: „Freut euch, ihr Heiden, mit seinem Volk!”
Röm 15,10

Hier ist ein Link zum Kontext in der Lutherbibel 2017.

Wem gilt das Versprechen?

Noch einmal Paulus, diesmal aus dem Römerbrief. Dort bemüht Paulus sich um eine christliche Lehre, obwohl die Voraussetzungen der Mitglieder der ersten Gemeinden sehr unterschiedlich waren. Einige waren Juden. Andere waren Proselyten, also Heiden, die den Gott des Juden für sich angenommen hatten und die Synagogen besuchten, ohne aber konvertiert zu sein und die mosaischen Gebote ganz zu befolgen, zu denen die Beschneidung, detaillierte Speisevorschriften und die Gebote für Schabbat und die vielen Feiertage gehörten. Wieder andere kamen unmittelbar von nichtjüdischen Religionen zum Christentum. Paulus will Exklusivität möglichst vermeiden. Die vielen jüdischen Gebote sind nur Stützen in Ermangelung des Heils, das von Christus kommt. In Christus sind sie entbehrlich. Es ist ein Bruder nicht mehr als der andere, weil er die Speisevorschriften befolgt. 

Aber wie steht es denn um die Erwählung der Juden? War Jesus nicht als Messias und Erlöser zu ihnen gekommen? Paulus sagt, nicht leicht verständlich, dass die Erwählung bleibt, sich aber das Erlösungswerk auch an die Heiden richtet. Jeder empfängt es gültig, dem der Herr seine Gnade schenkt und der sie für sich annimmt — also glaubt. Das sind einige Juden, nicht alle, und einige Heiden, nicht alle. 

Im Abschnitt um den gezogenen Vers gibt er aus dem Gedächtnis einige Stellen wieder, welche die Erwählung auch von Heiden belegen. Der gezogene Vers ist ein Zitat und meine Bibel gibt als Belegstelle Deut 32,43 wieder. Dort aber lautet der Vers (in der Lutherübersetzung 2017): 

Preiset, ihr Heiden, sein Volk; denn er wird das Blut seiner Knechte rächen und wird an seinen Feinden Rache nehmen und entsühnen das Land seines Volks! 

Uups! Die Heiden sollen das Volk Gottes preisen, nicht gemeinsam mit ihm feiern. Im Zusammenhang mit dem Kontext enthält Deut 32, 43 außerdem eine deutliche Drohung an die Fremdvölker.

Paulus‘ Ausrutscher ist ein wenig symptomatisch. Der Tanach, die jüdische Bibel, enthält nicht viele Stellen, die sich mit den „Gojim“ emphatisch befassen: in der Regel sind die Fremdvölker entweder gleichgültig oder (potentielle) Feinde. Wie können wir damit umgehen?

Vielleicht, und das ist meine Lesart, geht es hier um Stadien der Verwirklichung der Beziehung Gottes zu den Menschen. In Genesis tritt JHWH als Sippengott auf, verbunden mit den Clans von Abraham, Isaak und Jakob. Sippengötter hatten auch andere Clans. In Exodus und den nachfolgenden Büchern übernimmt Gott Verantwortung für ein Volk ‑‑ für das Volk Israel. Er befreit, stützt und rettet dieses Volk, durchaus im Gegensatz zu den umliegenden Völkern, den Ägyptern, Midianitern, Kanaanitern. Aber auch diese hatten ihre Götter. Die alten Schriften legen ihre ganze Kraft in die Forderung, dass die Hebräer diese anderen Götter nicht verehren dürfen. Sie sagen nicht, dass diese Götter nicht existieren. Das geschieht erst noch später. Gott wird dann als Schöpfer nicht nur der Menschen, sondern des ganzen Kosmos gesehen, und als einzige göttliche Kraft. Andere Götter zu verehren ist nicht länger nur ein todeswürdiger Treuebruch, sondern darüber hinaus auch eine Dummheit, weil es diese Götter gar nicht gibt. 

Aber wie passt denn konsequenter Monotheismus zur Stellung JHWHs als Gott des Volkes Israel? Gar nicht, es sei denn, man argumentiert, dass Gott mit dem erwählten Volk etwas beginnt, das er mit anderen fortsetzt und zu Ende führt. In der Tat findet sich diese Figur bei den Propheten — Jesaia, Jeremia, Hesekiel, Joel. Paulus entwickelt sie im Römerbrief zu Ende und wendet sie spezifisch auf die Christen an – sein eigenes Volk nun eben, wie auch die Juden sein Volk sind und bleiben.

Gott, der universale Schöpfergott, ist also in Christus der Gott potentiell aller Menschen. Soweit sie seine Gnade empfangen — das liegt in seinem Ratschluss — und soweit sie diese Gnade annehmen — das liegt in der Entscheidung des Einzelnen. Vielleicht besteht die Gnade auch einfach darin, glauben zu können. 

Die drei Stufen, Sippengott, nationaler Gott und universeller Gott, sind Stadien für uns, die wir in der Zeit leben. Für Gott ist immer alles gleichzeitig. Er ist Gott einzelner Individuen, Gruppen und Nationen wie auch der Herr des Universums. Das heißt: Man kann sich betend an jemanden wenden, der den subatomaren Bereich ebenso kontrolliert wie die Anfangsbedingungen des Urknalls. Das ist ganz und gar nicht intuitiv. Um diese Gleichzeitigkeit zu verstehen, müssen wir tatsächlich in Stadien denken, in denen sich eines über das andere wölbt. Tanach und Neues Testament gehen diesen Weg mit uns. 

Die Spannung zwischen der Erwählung der Juden als Volk und der Erwählung der Glaubenden als Personen verschwindet damit nicht, auch für Paulus nicht, denn die beiden Pole sind nicht nur analytische Konstrukte, „Stadien“, sondern Hoffnungen und Ansprüche realer Menschen. Aber man kann diese Spannung in innerer Ruhe aushalten, wenn man es denn will.

Ich wünsche uns eine gute Woche, in der wir uns freuen mit seinem Volk!
Ulf von Kalckreuth

Bibelvers der Woche 10/2019

Denn Gott hat alle beschlossen unter den Unglauben, auf daß er sich aller erbarme.
Röm 11,32     

Hier ist ein Link für den Kontext des Verses, zur Lutherbibel 2017.

Dialektik: …und neun ist eins, und zehn ist keins…

Bei der Abfassung des Römerbriefs hat Paulus allen Grund, sich Gedanken über den Heilsweg seiner Volksgenossen zu machen. Er selbst hatte das Evangelium zu den Nichtjuden getragen. Der Erfolg seiner Mission dort stand im deutlichen Gegensatz zur Entwicklung unter den Juden. Diese hatten die Frohe Botschaft nur zu geringen Teilen angenommen. Aber diese Botschaft war doch eigentlich für die Juden bestimmt? Was wird aus ihnen?

Paulus musste sich gar seinen eigenen Erfolg vorwerfen lassen: quantitativ und qualitativ war das sich herausbildende Christentum durch die „Griechen“ geprägt. Diese hielten — von Paulus unterstützt — die jüdischen Gesetze nicht und das Christentum sah immer weniger aus wie eine jüdische Gemeinschaft und immer mehr wie eine nichtjüdische Religion. Unter diesen Umständen konnte die Mission unter den Juden nur noch begrenzten Erfolg haben. Die Bewegung der messianischen Juden ist heutigen Tags in Israel sehr erfolgreich, gerade weil ihre Mitglieder Juden bleiben und am Schabbat in die Synagoge gehen.

Paulus wiederholt zunächst stoisch das, was er und alle anderen Pharisäer von den Propheten gehört und angenommen hatten: das ganze jüdische Volk wird erlöst — von einigen individuellen Ausnahmen abgesehen vielleicht — sowie auch eine Auswahl an Nichtjuden. Für ihn als Proto-Christen gibt dabei nur einen Weg für Juden und Heiden: sie werden Jesus gläubig als ihren Erlöser annehmen. 

Was er uns nun vorstellt, als scheinbar in sich widersprüchliche Aussage, ist eine Art hegelianische Dialektik. Der Unglaube der Juden war Voraussetzung dafür, dass in größerem Umfang Heiden des Heils teilhaftig werden konnten. Dies sei Ausdruck der Gnade des Herrn. Nun aber werde diese Gnade auch den Juden selbst zufallen. Nicht aus eigener Kraft, aus eigenem Glauben werden sie nämlich das Heil erlangen, sondern durch die Barmherzigkeit Gottes, der an ihnen das Wunder vollbringen wird, wenn es keinen Ausweg mehr zu geben scheint. „So hat er alle beschlossen unter den Unglauben, auf dass er sich aller erbarme“. In anderen Übersetzungen steht hier „eingeschlossen“ oder „verschlossen“ im Unglauben, wie in einem Gefängnis. 

Sonst ist bei Paulus der Glaube Weg zum Heil, sogar der einzige, hier ist es der Unglaube, der irgendwie den Keim für sein Gegenteil legt. Hätte Paulus dies auch so gesehen, wäre die Mission unter den Juden erfolgreicher verlaufen? Einige Zeit später jedenfalls war im riesigen römischen Reich das Christentum Staatsreligion geworden und die Juden waren zerstreut. Die Annahme des Christentums bedeutete für diese den Verlust der Identität. Es war dann durchaus Dialektik, die zur Entstehung der rabbinischen Theologie und des Talmud führte. 

Ich habe vor einigen Wochen von dem Grab bei Beit Schemesch berichtet, wo Stephanus, Gamaliel und Nikodemus gemeinsam beerdigt liegen. Es ist für mich nicht vorstellbar, dass die drei nicht gemeinsam auch der Gnade Gottes teilhaftig werden können. 

Damals behielt Paulus nicht Recht. Aber man kann auch aus nicht erfüllten Prophezeiungen lernen. Wie ist es denn heute? Wird der Unglaube der einen dazu führen, dass bei anderen die Glaubenskräfte wachsen? Kann dies dann auf die Gesellschaft insgesamt zurückwirken? Es gibt viel Dialektik im Leben. Das Christentum selbst ist voll davon. Der König der Welt kommt zu uns als Säugling im Futtertrog. Im Tod steckt der Keim der Auferstehung. Ein zerschlagenes, geängstigtes Herz ist die Schwelle zur Erlösung. Eine klassische dialektische Bewegung haben wir in Persien erlebt, als ein exilierter Mullah den Schah hinwegfegte und aus einer westlich orientierten Autokratie einen Gottesstaat machte, und vielleicht sehen wir im selben Land eine weitere Kehre. 

Möge uns in dieser Woche ein Weg, der nicht mehr weiterführt, umschlagen in sein positives Gegenteil. In meinem eigenen Leben fällt mir dazu manches ein. 
Ulf von Kalckreuth

Bibelvers der Woche 28/2018

Sie haben’s willig getan, und sind auch ihre Schuldner. Denn so die Heiden sind ihrer geistlichen Güter teilhaftig geworden, ist’s billig, dass sie ihnen auch in leiblichen Gütern Dienst beweisen. 
Röm 15,27

Hier ist der Link für den Kontext, zur Lutherbibel 2017.

In der letzten Kalenderwoche hatten wir eine Danksagung von Paulus an eine Gemeinde, deren materielle Zuwendung ihm half, mit seiner Missionsarbeit fortzufahren. Auch der Vers dieser Woche ist von Paulus, und auch er dreht sich um materielle Zuwendungen der Art, die wir heute als Opfergaben bezeichnen würden. Ein erstaunlicher Zufall. Aber die Richtung ist umgekehrt. Hier unterstützt nicht die etablierte Gemeinde die Missionsarbeit „draußen“, sondern die Gemeinden „draußen“ helfen den „Heiligen“ in Jerusalem, der Kerngemeinde also, von welcher die Missionsarbeit einst ausgegangen war. Makedonien und Achaia — das ist das griechische Kernland, das Paulus missioniert hat. Er selbst hat den Transfer organisiert, und er selbst reist nun nach Jerusalem, um die Gabe zu überbringen.

Paulus hält die Zuwendung für recht und billig, haben schließlich diese neuen Gemeinden ihre geistlichen Güter aus Jerusalem empfangen. So sagt es der gezogene Vers. Das klingt natürlich und unverfänglich. Aber so einfach ist die Welt nicht mehr. In der Jerusalemer Gemeinde hatte es schwere Zweifel gegeben, wie weit die Heidenmission eigentlich gehen könne. Ob sich das Evangelium nicht in erster Line an die Juden richtete. Und ob Heiden nicht Juden werden müssten, um Christen sein zu können — ob sie also, um „Gott gerecht zu werden“, nicht die Thora befolgen müssen, mit all ihren Mitzvoth, angefangen bei der Beschneidung. Ob Christen nicht ihren Glauben leben müssten wie die Jünger Jesu selbst. Die Forderung leuchtet zunächst einmal ein – mit einem vergleichbaren Argument sieht die katholische Kirche für Frauen keine Priesterweihe vor. 

Paulus, von Haus aus Pharisäer, teilt diese Meinung ganz und gar nicht. Für ihn hat die Erlösungstat Christi den „Weg des Gesetzes“ obsolet gemacht. Seine Heidenmission wäre mit einem jüdischen Christentum nicht durchführbar gewesen. Paulus’ Mission war sehr erfolgreich unter den Proselyten in den griechischen Städten. Das waren Nichtjuden, die an Gott zu glauben gelernt hatten und jüdische Gottesdienste besuchten, die allerdings die Wucht der jüdischen Gesetze nicht auf sich nehmen wollten. Viele von ihnen wären wohl bei dieser Grundsatzentscheidung geblieben, wenn sich ihnen das Christentum als eine Spielart des Judentums präsentiert hätte. 

Im „Apostelkonzil“ hat Paulus sich weitgehend durchgesetzt. Die Geschichte des Abendlands wäre sonst anders verlaufen. Die Jerusalemer Autoritäten, geführt von Petrus, sahen ihre Aufgaben unter den Juden, während die Antiochier unter Paulus zur Heidenmission berufen waren, ohne Auflagen. Allerdings wurde den Heidenchristen als auferlegt, der „Armen zu gedenken“, d.h. für die Jerusalemer Gemeinde zu sammeln. Und diese Sammlung sollte nun ihre Bestimmung erreichen.

Aber die Schuld besteht weiter, das sieht Paulus durchaus — Von Zion aus wird  Weisung an die Völker gehen…, Jesaja 2,3 . Was machen wir damit?

Ich wünsche uns eine gesegnete Woche!
Ulf von Kalckreuth