Bibelvers der Woche 31/2018

Und Nebukadnezar trat hinzu vor das Loch des glühenden Ofens und sprach: Sadrach, Mesach, Abed-Nego, ihr Knechte Gottes des Höchsten, geht heraus und kommt her! Da gingen Sadrach, Mesach und Abed-Nego heraus aus dem Feuer.
Dan 3, 26

Hier ist ein Link für den Kontext des Verses, zur Lutherbibel 2017.

Drei Männer im Feuerofen

Ein Bewahrungswunder. Das sieht man sofort. Aber warum geht es? Das Buch Daniel ist eines der jüngsten Schriften des AT. Es stammt aus dem zweiten Jhd. v. Chr. und besteht aus zwei Teilen. Die Abschnitte 7-12 enthalten apokalyptische Visionen des Propheten, die für die Religionsgeschichte der Juden wie der Christen sehr wichtig sind. Man findet dort konkrete Ankündigungen des Messias, an denen später Jesus gemessen wurde. Auch die Vorstellung eines Lebens nach dem Tode, wie sie heute für Juden und Christen so selbstverständlich und  charakteristisch ist, findet man dort klar formuliert. Die Abschnitte 1-6 behandeln die Jugend des Propheten. Er kam als Heranwachsender an den Hof des Königs Nebukadnzar, der Angehörige der Elite des jüdischen Volks hatte wegführen lassen, um sie babylonisch akkulturieren zu lassen. Für Juden war dies eine Horrorvorstellung, für Nebukadnezar war es ein wohl ein mehr oder weniger gut gemeinter Versuch, wenige Jahre bevor er die unruhige und aufsässige jüdische Eigenstaatlichkeit beendete, den Tempel zerstörte und die gesamte Elite des Landes verschleppen ließ.

Daniel verstand es, seine kulturelle und religiöse Identität zu bewahren. In den Geschichten um ihn gibt es Anklänge an ältere und an sehr alte Schriften. Wie Moses wächst Daniel an einem fremden Hof auf, wird dort ausgebildet und erlernt die fremde Sprache und Schrift. Wie Joseph ist Daniel ein begnadeter Traumdeuter. Er löst das Rätsel eines königlichen Traums, an dem alle anderen Weisen des Reichs scheitern. Mit seiner Deutungskunst wird er wichtiger politischer Führer unmittelbar unter dem König. Wie Mordechai im Buch Esther weigern Daniel und seine Freunde sich, die Standbilder fremder Götter anzubeten. Aus dieser letzteren Geschichte stammt der gezogene Vers — er ist der Höhe- und Wendepunkt der Erzählung von den drei Männern im Feuer. 

Daniel war unter Nebukadnezar politischer Führer in Babylon geworden, vergleichbar einem Premierminister, und hat das Reich neu geordnet. Seine Freunde aus dem Heimatland, mit denen er an den Hof gekommen war, hat er in wichtige politische Positionen gebracht. Als der König jedoch ein großes Standbild aufstellen lässt, das jedermann unter Todesstrafe anzubeten hatte, weigern sich die Freunde, dem Gebot nachzukommen. Ihre Neider sorgten dafür, dass die Sache vor den König gebracht wird. Auch auf wiederholte Aufforderung bleiben die drei standhaft und Nebukadnezar muss seine Strafandrohung wahrmachen. Er lässt die drei ins Feuer werfen. Das Feuer lässt er so heiß anfachen, dass die Wächter ums Leben kommen, die die drei Freunde in den Ofen stoßen sollen. Aber den dreien geschieht im Ofen nichts — sie wandeln frei in den Flammen umher. Man sieht zwischendurch gar einen vierten Mann, der aussieht wie ein Engel Gottes. Auf Befehl des Königs treten schließlich die drei heraus, unversehrt, und der König ist geläutert, er erkennt die Macht Gottes an. 

Im Buch Daniel muss Nebukadnezar diese Erfahrung einige Male machen. Warum war nicht auch Daniel im Ofen? Er wird wenig später aus einem ähnlichen Grund in die Löwengrube geworfen. Wieder gibt es ein Bewahrungswunder, wieder erkennt der König schließlich das Zeichen. Erst der Sohn Nebukadnezars, Belsazar, fällt tatsächlich der Rache Gottes anheim. Daniel vermag zwar noch die rätselhafte Schrift an der Wand zu deuten, aber das kann nichts mehr ändern.

An dieser Stelle mögen wir uns an Waschti erinnern, die unglückliche persische Königin aus der KW 29. Auch sie widersetzt sich, unter Missachtung der realen Kräfteverhältnisse, einem ausdrücklichen Befehl des Königs, aber anders als die drei Freunde geht sie damit unter. Die Bibel ist hier in systematischer Weise parteiisch. Die drei Freunde haben den Befehl eines anderen Königs, des obersten, befolgt und stehen daher unter Seinem Schutz. Waschti folgt nur ihrem eigenen Willen. Im Buch Esther spielt, wie schon erwähnt, Mordechai die Rolle der drei Freunde: auch er weigert sich, ein Standbild zu verehren, auch er setzt sich damit durch.

Im Bild vom Feuerofen ist das Motiv der Reinigung, der Läuterung enthalten. Auch das des Opfers. In meinen Ohren lässt der gezogene Vers auch das Thema Wiederauferstehung anklingen, das im Buch Daniel weiter hinten große Bedeutung erlangt.

Noch etwas ist uns überliefert von den drei Männern im Feuerofen: ein Psalm, ein eindrücklicher und schöner Lobgesang. Formal und in Elementen des Texts ist er dem großen Lobpreispsalm, Ps 136, sehr ähnlich. Er erinnert mich auch an den Sonnengesang des Franz von Assisi. Der Text ist apokryph. In der Lutherübersetzung 2017 ist er enthalten, wie auch früher schon in der Einheitsübersetzung. Mit dem Lied als Zugabe zum BdW wünsche ich uns eine gute Woche, in der uns Gott alle und in allem bewahren möge.
Ulf von Kalckreuth

Der Gesang der drei Männer im Feuerofen

Da sangen die drei wie aus einem Munde, sie priesen und lobten Gott in dem Ofen und sprachen:

Gelobt seist du, Herr, du Gott unsrer Väter,
und sollst gepriesen und hoch gerühmt werden ewiglich!

Gelobt sei dein herrlicher und heiliger Name
und soll gepriesen und hoch gerühmt werden ewiglich!

Gelobt seist du in deinem heiligen, herrlichen Tempel
und sollst gepriesen und verherrlicht werden ewiglich!

Gelobt seist du, der du sitzt über den Cherubim und siehst in die Tiefen,
und sollst gepriesen und hoch gerühmt werden ewiglich!

Gelobt seist du auf deinem königlichen Thron
und sollst gepriesen und hoch gerühmt werden ewiglich!

Gelobt seist du in der Feste des Himmels
und sollst gepriesen und verherrlicht werden ewiglich!

Lobet den Herrn, all ihr Werke des Herrn,
preist und rühmt ihn ewiglich!

Lobet den Herrn, ihr Engel des Herrn,
preist und rühmt ihn ewiglich!

Lobet den Herrn, ihr Himmel,
preist und rühmt ihn ewiglich!

Lobet den Herrn, all ihr Wasser über dem Himmel,
preist und rühmt ihn ewiglich!

Lobet den Herrn, all ihr Mächte,
preist und rühmt ihn ewiglich!

Lobet den Herrn, Sonne und Mond,
preist und rühmt ihn ewiglich!

Lobet den Herrn, ihr Sterne am Himmel,
preist und rühmt ihn ewiglich!

Lobet den Herrn, Regen und Tau,
preist und rühmt ihn ewiglich!

Lobet den Herrn, all ihr Winde,
preist und rühmt ihn ewiglich!

Lobet den Herrn, Feuer und Glut,
preist und rühmt ihn ewiglich!

Lobet den Herrn, Frost und Hitze,
preist und rühmt ihn ewiglich!

Lobet den Herrn, Tau und Schnee,
preist und rühmt ihn ewiglich!

Lobet den Herrn, Eis und Frost,
preist und rühmt ihn ewiglich!

Lobet den Herrn, Reif und Schnee,
preist und rühmt ihn ewiglich!

Lobet den Herrn, ihr Nächte und Tage,
preist und rühmt ihn ewiglich!

Lobet den Herrn, Licht und Finsternis,
preist und rühmt ihn ewiglich!

Lobet den Herrn, ihr Blitze und Wolken,
preist und rühmt ihn ewiglich!

Die Erde lobe den Herrn,
sie preise und rühme ihn ewiglich!

Lobet den Herrn, ihr Berge und Hügel,
preist und rühmt ihn ewiglich!

Lobet den Herrn, ihr Gräser und Kräuter,
preist und rühmt ihn ewiglich!

Lobet den Herrn, ihr Quellen,
preist und rühmt ihn ewiglich!

Lobet den Herrn, ihr Meere und Ströme,
preist und rühmt ihn ewiglich!

Lobet den Herrn, ihr Fische und alles, was sich im Wasser regt,
preist und rühmt ihn ewiglich!

Lobet den Herrn, all ihr Vögel unter dem Himmel,
preist und rühmt ihn ewiglich!

Lobet den Herrn, all ihr Tiere, wilde und zahme,
preist und rühmt ihn ewiglich!

Lobet den Herrn, ihr Menschenkinder,
preist und rühmt ihn ewiglich!

Lobe den Herrn, Israel,
preise und rühme ihn ewiglich!

Lobet den Herrn, ihr Priester des Herrn,
preist und rühmt ihn ewiglich!

Lobet den Herrn, ihr Knechte des Herrn,
preist und rühmt ihn ewiglich!

Lobet den Herrn, ihr Geister und Seelen der Gerechten,
preist und rühmt ihn ewiglich!

Lobet den Herrn, all ihr Frommen und die ihr von Herzen demütig seid,
preist und rühmt ihn ewiglich!

Lobet den Herrn, Hananja, Asarja und Mischaël,
preist und rühmt ihn ewiglich! Denn er hat uns erlöst aus dem Totenreich und errettet vom Tode, er hat uns befreit aus dem glühenden Ofen und mitten aus dem Feuer gerissen.

Danket dem Herrn; denn er ist freundlich,
und seine Güte währet ewiglich.

Lobet den Gott der Götter, alle, die ihr den Herrn fürchtet,
preist ihn und danket, denn seine Güte währet ewiglich!

Stücke zu Daniel 3, 51-90, Der Gesang der drei Männer im Feuerofen, Lutherübersetzung 2017