Bibelvers der Woche 30/2018

Diese gingen voran und harrten unser zu Troas.
Apg 20,5

Hier ist ein Link für den Kontext des Verses, zur Lutherbibel 2017.

Wir sind wieder auf einer Missionsreise des Paulus durch die griechisch geprägten Landschaften Europas und Kleinasiens, der dritten Reise. Sie führt zunächst von Antiochien nach Ephesos. Dort gab es einen großen Tumult, und der Apostel wich nach Korinth aus. Vermutlich wurde dort der Römerbrief geschrieben, aus dessen Schlusskapitel vor zwei Wochen der BdW gezogen wurde. Von seinem Plan, von Korinth aus nach Syrien überzusetzen — vermutlich um die Gabe zu überbringen, von der im BdW der KW 28 die Rede war — musste er wegen konkreter Drohungen Abstand nehmen. Stattdessen begab er sich auf einem langgezogenen Seeweg in Küstennähe zurück nach Kleinasien, unter anderem über Troas, um von dort nach Jerusalem zu gelangen. Er hatte es sehr eilig, weil er rechtzeitig zum Pfingstfest Jerusalem erreichen wollte. Dort wurde er einige Zeit später gefangen genommen.  

Hier, in Troas, der Landschaft rund um das antike Troja, stößt Lukas hinzu, der Ich-Erzähler der Apostelgeschichte. Paulus hat es eilig und will weiterkommen. Er will aber die Gelegenheit nicht versäumen, den Glauben derer zu stärken, die er bei zwei früheren Aufenthalten für Jesu gewonnen hatte. Er hält eine Predigt bis tief in die Nacht hinein. Eutychus, ein junger Mann, sitzt in einem Fenster und schläft über der Predigt ein. Er fällt hinab und wirkt wie tot. Paulus eilt zu ihm und verkündet, es sei noch Leben in ihm. Er setzt den Besuch fort bis der Tag anbricht und verlässt den Ort. Eutychus aber kommt tatsächlich wieder zu sich. 

Was können wir dem gezogenen Vers entnehmen, der so unmittelbar an den vor zwei Wochen gezogenen anschließt? Paulus war unterwegs auf einem chaotisch anmutenden Weg durch den Ostteil des riesigen römischen Reiches. Diesen Pfad entlang blieb fast jede Einzelheit dem Zufall überlassen, anders war es nicht möglich. An mehreren Stellen läuft es völlig anders als geplant. Sein großes Ziel, Jerusalem und das Wiedersehen mit den „Heiligen“ der dortigen Gemeinde, verliert Paulus nicht aus den Augen und schließlich erreicht er es. Man kann sich denken, dass er seine Gabe dort überbringen und helfen kann, Einheit zu stiften. Seine Verhaftung dort und die erzwungene Reise nach Rom sind wiederum ungeplant, aber selbst dieses große Missgeschick kann er in seine Mission integrieren und für sich arbeiten lassen.

Wie frei wären wir, wie machtvoll unsere Arbeit, wenn wir so leben könnten!

Ich wünsche uns eine Woche in Freiheit, im Segen des Herrn,
Ulf von Kalckreuth