Bibelvers der Woche 8/2019

Aber Melchisedek, der König von Salem, trug Brot und Wein hervor. Und er war ein Priester Gottes des Höchsten.
Gen 14,18

Hier ist ein Link für den Kontext des Verses, zur Lutherbibel 2017.

Eine Begegnung

Abraham, sonst halbnomadischer Viehzüchter, begegnet uns hier als Feldherr. Sein Bruder Lot war in einem Krieg zwischen zwei verfeindeter Bündnissen gefangen genommen worden. An der Spitze von 318 Knechten und den Männern befreundeter Clans erzwingt Abraham die Entscheidung, befreit seinen Bruder und rettet die Könige von Sodom und Gomorrha. 

Was dann kommt, beschäftigt Juden wie Christen bis heute. Hier die Zeilen, die unseren Vers umgeben: 

17 Als er nun zurückkam von dem Sieg über Kedor-Laomer und die Könige mit ihm, ging ihm entgegen der König von Sodom in das Tal Schawe, das ist das Königstal. 18 Aber Melchisedek, der König von Salem, trug Brot und Wein heraus. Und er war ein Priester Gottes des Höchsten 19 und segnete ihn und sprach: Gesegnet seist du, Abram, vom höchsten Gott, der Himmel und Erde geschaffen hat; 20 und gelobt sei Gott der Höchste, der deine Feinde in deine Hand gegeben hat. Und Abram gab ihm den Zehnten von allem.

Melchisedek ist hier nicht nur König, sondern auch Priester des Herrn. Er segnet Abraham und dieser gibt ihm den Zehnten. Der Stammvater des auserwählten Volks erkennt damit Melchisedeks Hoheit als Priester an. Die Priester der Hebräer stammen von Aaron ab, dem Bruder Moses, ein Levit und damit Nachkomme Abrahams. Melchisedek muss also einer anderen, ursprünglichen und höheren Ordnung des Priestertums Gottes angehören. So sieht es der Hebräerbrief im Neuen Testament, und nennt Jesus Christus einen „Hohepriester der Ordnung Melchisedeks“. Auch das Alte Testament erkennt in Psalm 110 Melchisedek als Priester eigener Art und sieht ihn als Urbild eines Königs von Israel, vielleicht Davids, vielleicht des Messias.

Zwei Heilige begegnen sich! Es ist schwer zu entscheiden, ob der Vers in dieser sehr alten Textschicht wirklich messianisch gedeutet werden sollte. Aber etwas anderes tritt klar hervor. Abraham ist nicht der erste mit einer definierten Beziehung zu Gott. Es gab bereits Priester des Herrn in Kanaan. 

Es gibt in der Torah nicht nur ein auserwähltes Volk, es gibt auch besondere, heilige Orte. „Salem“ ist vermutlich Jerusalem. Auch Mose begegnet (am Beginn der Exoduserzählung) einem Priester des Herrn weit entfernt von den Hebräern. Auf der Flucht aus Ägypten wegen eines Mordes kommt er nach Midian, ein Land südlich von Kanaan und östlich der Halbinsel Sinai, wohl in der Landschaft um das heutige Eilat. Die Midianiter sind kriegerische Wüstenbewohner. Bei ihnen trifft er Zippora. Ihr Vater ist Priester beim Horeb, dem Gottesberg. Nach vielen Jahren, in denen er für seinen Schwiegervater die Schafe gehütet hat, begegnet Mose in der Wüste am Horeb dem Herrn, im brennenden Dornbusch. Dort eröffnet ihm dieser seinen heiligen Namen: JHWH. 

Wir treffen Gott dort, wo er sich zeigt. Nicht unbedingt dort, wo oder bei wem wir es erwarten. Seien wir offen für besondere Begegnungen – vielleicht in dieser Woche? 
Ulf von Kalckreuth

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