Bibelvers der Woche 43/2018

Das Feuer auf dem Altar soll brennen und nimmer verlöschen; der Priester soll alle Morgen Holz darauf anzünden und obendarauf das Brandopfer zurichten und das Fett der Dankopfer darauf anzünden.
Lev 6,5

Hier ist ein Link für den Kontext, zur Übersetzung von 2017. 

Feuer

Für Woche 5/2018 gab es einen Vers, der die Einrichtung des Brandopferaltars zum Thema hat — hier ist eine Bestimmung zu seinem Gebrauch. In die Zeit des Umherirrens in der Wüste passt der Vers nicht wirklich: Ein Brandopferaltar, groß genug zur Opferung ganzer Rinder, mit der Bestimmung, dass sein Feuer nie ausgehe und täglich geopfert werde? Wo sollte in der Wüste das Holz dafür herkommen, wo die Rinder, Schafe, Ziegen? Man muss hier eher an eine Regel aus der Zeit des Jerusalemer Tempels und seines Opferbetriebs denken.

Opfer ist Kommunikation mit der Gottheit — archaische Kommunikation über die Grenzen von Tod und Leben hinweg. Juden und Christen haben aufgehört zu opfern, aus unterschiedlichen Gründen. Bei den Juden erinnern die Morgen-, Mittags- und Abendgebete und ihre exakten Zeiten an die täglichen Opfer im Jerusalemer Tempel. Beim Morgengebet, dem Schacharit, werden u.a. Vorschriften über das Morgenopfer rezitiert, hier ist ein Link zu Wikipedia.

Die Christen entwickelten aus dieser jüdischen Tradition die Stundengebete. „Betet ohne Unterlass“, heißt es in 1. Thess 5,17, fast wie im ersten Satz unseres Verses:

            Das Feuer auf dem Altar soll brennen und nimmer verlöschen…

Der Tempel ist nicht mehr, aber der Vers und sein Beginn berühren augenblicklich. Das ewige Licht tritt vor Augen, aber auch die Erinnerung, dass Feuer in frühen Zeiten beinahe wie ein Schatz bewahrt wurde. Wenn es erlosch, musste man vielleicht weit gehen, um beim Nachbarn oder einer anderen menschlichen Siedlung wieder Glut zu bekommen.

Hinwendung zu Gott bedarf der Regelhaftigkeit. Vielleicht mit einem kurzen Dankgebet nach dem Aufwachen, noch vor dem Aufstehen — das jedenfalls fiel mir bei dem Vers ein. 

Opfer und Feuer, beides gehört zusammen. Was immer es auch ist, das heute und in unserem Leben den Platz des Opfers einnimmt: der Vers erinnert daran, dass das Feuer, die Energie dahinter, nie erlöschen soll. Leuchtend, verzehrend, aber auch ansteckend. Stetige Hingabe und Dauerhaftigkeit. Wärme. Eine Flamme im Herzen. Immer, nicht nur gelegentlich.

Eine solche Woche wünsche ich uns,
Ulf von Kalckreuth

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