Bibelvers der Woche 27/2020

Gelobet sei der HErr, der seinem Volk Israel Ruhe gegeben hat, wie er geredet hat. Es ist nicht eins dahingefallen aus allen seinen guten Worten, die er geredet hat durch seinen Knecht Mose.
1. Kö 8,56

Hier ist ein Link für den Kontext des Verses, zur Lutherbibel 2017.

Zufall und Bestimmung

Das muss einem Statistiker Sorge bereiten. Aus den folgenden Abschnitten der Bibel haben wir in den letzten drei Wochen gezogen: 1. Kö 6; 1. Kö 7; 1. Kö 8. Die christliche Bibel in ihren beiden Teilen hat 1189 Abschnitte. Nimmt man an, sie wären gleich lang und ignoriert, dass auf den letzten Abschnitt kein weiterer folgen kann, liegt ex ante die Wahrscheinlichkeit, Verse aus drei aufeinander folgenden Abschnitten zu ziehen, bei 1/1.413.721. Zum Vergleich: die Wahrscheinlichkeit eines Fünfers mit Zusatzzahl liegt bei 1/2.330.636. Hm! Ich nutze bei der Ziehung den Zufallsgenerator von Excel. Vielleicht sollte ich damit auch Lottotips generieren?  

Der Vers ist aus einem weiteren Grund besonders: er nimmt nämlich direkten Bezug auf den Vers der Woche 47/2019, in einem anderen Buch. Auch dort ging es um den Tempelbau, damals als ferne Zukunftsvision, siehe die Betrachtung dazu

Ihr werdet aber über den Jordan gehen und in dem Lande wohnen, das euch der HErr, euer Gott, wird zum Erbe austeilen, und er wird euch Ruhe geben von allen euren Feinden um euch her, und ihr werdet sicher wohnen.
Deu 12,10

Das ist das Versprechen Gottes, auf das der heute gezogene Vers antwortet. Salomo spricht den Vers am Ende eines langen priesterlichen Gebets bei der Einweihung des Tempels, kurz bevor eine schier unglaubliche Zahl von Tieren geopfert wird. In dieser Sekunde ist es erreicht: Gott hat seine Versprechen an sein Volk aus der Bundeszusage erfüllt! Das Land ist reich und mächtig und sicher vor äußerer Bedrohung, und Gott ist mit ihm — augenfällig nun an einem ehrfurchterregenden Gebäude.

Gott ist treu! Salomo ist dankbar. Er ist eins mit Gott, seinem Volk und der Geschichte.

An dieser Stelle neigt sich das 1. Buch der Könige. Denn ein Bund hat zwei Seiten. Was ist mit den Versprechen des Volks? Die beiden Königsbücher zählen rücksichtslos die Verfehlungen der Könige von Israel und Juda und ihrer Völker auf. Der Betende selbst, Salomo, macht einen fulminanten Einstieg: er nimmt sich 700 Hauptfrauen und 300 Nebenfrauen aus allen Ländern der Großregion, und über diese Frauen nähert er sich den Götzen der Nachbarländer und baut ihnen schließlich Altäre, siehe 1. Kö 11. 

Gott ist treu. Nicht Gott hat versagt, sondern das Volk, sagen die Bücher der Könige. Sie führen die Katastrophe in der Geschichte der Kinder Israel auf ihre Verirrungen zurück. Gott hat alle Versprechen gehalten: das Versprechen, wachsen zu lassen wie auch das Versprechen, dauerhafte Verfehlung nicht ungestraft zu lassen. Im Exil, in Babylon, als die Königsbücher geschrieben wurden, war diese Lesart durchaus nicht selbstverständlich. Es hätte nahe gelegen, statt dessen zur Kenntnis zu nehmen, dass die Götter Babylons eben stärker waren. 

Gott ist treu, und er erfüllt seine Versprechen, sagt der Vers. Heute ist mein Geburtstag. Ein ganz persönlicher Grund für Dankbarkeit. Und auch Grund, nach vorn zu blicken, erwartungsvoll und wachsam.

Ich wünsche uns eine gesegnete Woche,
Ulf von Kalckreuth

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